ûf der worte heide #33

  • »Zurückdrehungspartei« nennt Ulrich Sto­ck en pas­sant die AfD in der »Zeit«
  • »Reh­scheu­che« ist kei­ne Novi­tät, war mir aber neu, als ich das bei Mari­on Posch­mann (Mond­be­trach­tung in mond­lo­ser Nacht, 138) las – und ist ein schö­nes Wort
  • »Kor­nen­krax­ler­n­ost­al­gie« – so ein schö­nes Wort hat sich Mar­le­ne Stree­ru­witz (in: Mar­le­ne Stree­ru­witz über Bert­ha von Sutt­ner. Wien: Man­del­baum 2014 (Auto­rin­nen fei­ern Auto­rin­nen), 28) für ein häss­li­ches Phä­no­men ein­fal­len las­sen …

ûf der worte heide #32

  • »Hou­el­le­bec­q­mes­se­rei« – die­ses schö­ne Port­man­te­au­wort prä­gen Heinz Drügh, Susan­ne Kom­fort-Hein und Albrecht Koschor­ke in der Ver­tei­di­gung der Ger­ma­nis­tik gegen ihre Ver­äch­ter
  • »His­to­ri­en­schwar­ten­land », das benutzt die FAZ beim Bericht über die Ver­fil­mung eines Iny-Lor­entz-Roma­nes
  • »Irri­ta­ti­ons­ver­mei­dung« – die­se schö­ne Bil­dung für einen unschö­nen Vor­gang der Gegen­wart von Peter Stroh­schnei­der habe ich hier gefun­den (ist nicht ganz neu, aber doch recht sel­ten …)

ûf der worte heide #31

  • »alt­päpern« – die­ses wun­der­bar spre­chen­de Wort begeg­ne­te mir erst­mals in Ulrich Zie­gers gro­ßem Roman »Durch­zug eines Regen­ban­des« auf Sei­te 274
  • »Einst­sieg« – begeg­ne­te mir als Feh­ler (für »Ein­stieg«), ist aber doch ein wun­der­ba­res Wort …
  • »neu­ern­tig« – ist kein neu­es Wort, auf­grund sei­ner Sel­ten­heit darf es hier aber den­no­ch ste­hen

ûf der worte heide #30

  • »Ein­hand­li­te­ra­tur« – kein neu­es Wort, aber ein mir bis­her unbe­kann­tes, das ich hier ken­nen­ge­lernt habe
  • »Pud­din­ga­b­itur« als Begriff für den Abschluss einer Haus­halts­schu­le, so schreibt Bar­ba­ra Vin­ken in der Zeit­schrift für Ide­en­ge­schich­te X/3
  • »Seit­her sind wir per­du« – kei­ne Neu­schöp­fung, aber ein Feh­ler (gemeint war im Zusam­men­hang einer Mai­ling­lis­ten­dis­kus­si­on: »Seit­her sind wir per Du«), der völ­lig neue Bedeu­tun­gen eröff­net …

ûf der worte heide #29

  • »Noten­ma­schine« – Sabi­ne Bergk in »Gils­brod« (85) zur Cha­rak­te­ri­sie­rung einer Sän­ge­rin
  • »des­abon­nie­ren« – so über­setz­te eine fran­zö­si­sche Fir­ma das eng­li­sche »unsub­scri­be« ins Deut­sche …
  • »Züch­tungs­ram­sche« – ein wun­der­ba­res Wort – allei­ne der Klang! – aus der Welt der Pflan­zen­züch­tung (hier geht es um Popu­la­ti­ons­sor­ten für den Bio­land­bau)

Terror-Abwehr

Das Kom­po­si­t­um ist gera­de sehr hoch­fre­quent: Ter­ror-Abwehr. Ich hal­te das für einen sehr schlech­ten, schlam­pi­gen Aus­druck. Denn wenn ich etwas abweh­re, setzt das ers­tens vor­aus, dass etwas unter­nom­men wird: Der Ter­ror geschieht also. Zwei­tens hat der Begriff eine direk­tio­na­le Bedeu­tung: Ter­ror kommt auf mich/​uns zu (was wie­der­um eine Dif­fe­renz von uns und etwas ande­rem, von innen und außen vor­aus­setzt). Und drit­tens: Das Begriffs­paar evo­ziert so etwas wie eine kla­re Gren­ze, die gezo­gen wer­den kann, eine Art Schutz­schild, das wir/​ich um uns/​mich auf­span­nen, an dem dann der Ter­ror ein­fach abprallt. So funk­tio­niert das natür­li­ch über­haupt nicht. Aber, und das ist der Grund, war­um der Begriff im poli­ti­schen und jour­na­lis­ti­schen Sin­ne pro­ble­ma­ti­sch wird, gera­de die Punk­te zwei und drei kom­men Ide­en, die der rechtskonservative/​restaurative/​nationale/​rechtsradikale etc. Bereich des poli­ti­schen Spek­trums gera­de sehr offen­siv ver­tritt, ziem­li­ch nahe: Wir müs­sen nur „die Gren­zen“ schlie­ßen („dicht machen“ heißt es ja oft) und „uner­wünsch­te Sub­jek­te“  (im Moment so ziem­li­ch alles, was nicht kern­deut­sch aus­sieht und womög­li­ch noch mus­li­mi­schen Glau­bens ist) nicht her­ein­las­sen bzw. am bes­ten wie­der aus­wei­sen, um alle Gefah­ren zu ban­nen und (dies­be­züg­li­chen) Pro­ble­me zu lösen. Das ist natür­li­ch kei­ne Lösung, die funk­tio­nie­ren wür­de, son­dern Unsinn. Aber der Begriff Ter­ror-Abwehr legt zumin­dest nahe, dass es eine mög­li­che und legi­ti­me Stra­te­gie sein könn­te. Dabei kann man (viel­leicht liegt gera­de dar­in ein wesent­li­cher Wesens­kern) Ter­ror nicht abweh­ren, son­dern höchs­ten ver­hin­dern oder unter­bin­den. Aber das macht dann das schö­ne Bild kaputt.

Deppenapostroph anno 1921

In dem ziemlich großartigen Bergfilm »Im Kampf mit dem Berge« (1921) von Arnold Fanck, der auch eine wunderbare durchkomponierte Filmmusik von Paul Hindemith hat, taucht auf einer der ersten Texttafeln ein klassischer Deppenapostroph (wenn man den Ausdruck verwenden will ...) auf:
deppenapostroph 1920 (im kampf mit dem berge)

Auch typographisch war man 1921 genauso wenig vor Fehlern gefeit wie heute, wie diese Tafel zeigt - beim Titel hat der Setzer einfach ziemlich deutlich geschlampt:
typographiefehler 1920 (im kampf mit dem berge)